“Sagt mir, wie mein Leben geht”

Andrea fragt 15. Februar 2015

Liebe Maria!
Ich dachte, in diesem Punkt sei ich „so gut wie ziemlich“ durch. Ha! Dachte ich. Es ist da. Kräftig und laut wie lange nicht. Meine Umwelt scheint Erziehungsprogramme in meine Richtung gestartet zu haben. Ein nahezu endloser Maßnahmenkatalog für jede Lebenslage scheint erstellt, der mir erklären will, WIE es geht.
Die Eine meint sorgenvollen Ausdrucks, ich solle mir in Bezug auf ein jüngst aufgetretenes Symptom überlegen, ob es nicht etwas mit Burnout zu tun hätte. „Dieses Meditieren“, wie der Andere feststellt, „naja, wenn du´s brauchst – und vielleicht die diversen Quasi-Erleuchteten noch dazu…?“. „Wenn du so vorgehst, wirst du deine berufliche Position im Leben nicht festigen, schon gar nicht erfolgreich finden“, höre ich wieder von der Nächsten. Nicht zu vergessen der Rat und die dazupassende Tat in Sachen Kindererziehungsfragen.
Du musst…! Du solltest… Wieso tust du nicht…? Wäre es nicht besser, wenn du…? usw. prasseln wie Pfeile auf mich ein. Heute frage ich mich wieder einmal ganz ernsthaft: Habe ich ein Schild mit dem Slogan „Bitte sagt mir, wie mein Leben geht!“ umgehängt?
Sehr herzlich, Andrea

***

Liebe Andrea,
ich sitze ehrfürchtig vor deinen Zeilen, lächle vor mich hin und genieße das Champagner-Prickeln, das deine „Frage“ in mir auslöst. Und ich denke mir: „Was gibt es dazu noch zu sagen?! Alles da!“ Minuten später meldet sich mein Verstand wieder und meint: „Na, irgendwas wirst du ja noch beitragen können. Lies es halt noch einmal genauer durch!“
O.k.! „Ja!“ ist meine Antwort. „Ja! Du hast ein Schild umgehängt (gehabt), und ich empfehle dir, es feierlich abzunehmen!“ Du brauchst es ganz offensichtlich nicht mehr. Ohne dieses Schild wird niemand mehr auf die Idee kommen, dich zu „erziehen“. Die „Erziehungsprogramme“ schwirren schon seit Ewigkeiten um dich herum, wie du ja auch schreibst. Sie sind dir nur nicht aufgefallen, sie waren „normal“. Du warst es gewohnt, deine Beziehungen von ihnen bestimmen zu lassen. Jetzt scheint es, dass du deine Umgebung (unbewusst) eingeladen hast, noch einmal diesem Muster zu folgen, damit du dir ganz sicher sein kannst, ob du DAS noch willst. Und deine Antwort ist offensichtlich “Nein!” Es ist vorbei, weil du es so willst. Prosit!
Ich wünsche dir frohes Tun und Lassen!
Maria